TIPPS FÜR DIE FRAU

31. Ich bin mehr als das Problem

Kinderwunsch stellt Sie als gesamte Person in Frage und macht Sie labil. In kritischen Phasen generalisieren Frauen gern ihr „Unvermögen“ schwanger zu werden. Sie vergessen, was sie sonst alles können und leisten im Leben. Rücken Sie also wieder die Dinge in Ihr Bewusstsein, die in Ihnen bislang geglückt sind: Beziehung, Job, Freundschaften.

Und: Auch Weiblichkeit ist nicht allein durch Mutterschaft definiert. Bei einem unerfüllten Kinderwunsch ist es besonders wichtig, die Bereiche Gepflegtheit, Attraktivität, Erotik, Genuss und Erfolg hochzuhalten – um Selbst- und Fremdbestätigung darin zu erfahren. Wenn Sie das Beste aus sich und Ihrem Leben machen, sind sie automatisch mehr als das Problem: nämlich eine tolle Frau mit derzeit noch unerfülltem Kinderwunsch.

 

32. So wie Sie sind, so ist Ihr Kinderwunsch

Frauen sind grundverschieden: ängstlich, leistungsorientiert, optimistisch usw.

Dieses persönliche Muster zeigt sich auch in der Kinderwunschbehandlung. Insofern ist Ihr Erleben der Therapie auch stets eine Aussage über Sie selbst.

Bei ängstlichen Frauen können im Behandlungszyklus viele Befürchtungen auftreten, sehr erfolgreiche Frauen „müssen“ es schaffen, Optimistinnen sagen bei ein bis zwei Misserfolgen: „Pech gehabt“.

Jede Behandlung hat ihre Eigendynamik. Sie ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle und ein 24-Stunden-Dauerthema. Die Nuancen und unterschiedlichen Facetten bestimmt dabei Ihre Persönlichkeitsstruktur.

 

33. Notfallkoffer für negative Gefühlslagen

Ein individueller Notfallkoffer beinhaltet Akutmaßnahmen, die speziell für Sie wirksam sind. Er ist Ihre erste Hilfe in kritischen Situationen.

Den Inhalt stellen Sie selbst schriftlich zusammen, und zwar in einer Phase, in der es Ihnen gut geht und in der Sie Abstand zum Kinderwunschproblem haben!

Was kann ein Notfallkoffer alles beinhalten? Einige Beispiele betroffener Frauen:

  1. Playliste mit Lieblingsmusik zusammenstellen.
  2. Einen Spaziergang machen.
  3. „Einfach so“ auf seinen Mann zugehen und den Kinderwunsch nicht oder höchstens nur kurz thematisieren.
  4. Einen (fiktiven) Urlaub planen und dazu Hotels und Restaurants im Internet recherchieren.
  5. Einen leichten Film anschauen, da visuelle Ablenkung gut funktioniert.
  6. Eine „positive“ Freundin anrufen.
  7. Den Keller oder Abstellraum entmüllen (äußeres und somit auch inneres Aufräumen).
  8. Sport treiben.
  9. Einen Vergleich nach unten anstellen: Mit wem, den ich kenne, würde ich nicht tauschen wollen?
  10. Standardantworten für sozial schwierige Situationen zurechtlegen.

Eine einfache, aber wichtige Notfallmaßnahme ist es auch, in der Wohnung den Ort (etwa die Couch oder das Bett) zu verlassen, an dem Sie normalerweise Ihren Kinderwunschgedanken nachhängen. Damit begrenzen Sie automatisch Ihre Gedankenschleifen.

 

34. Den Kinderwunsch begrenzen

Kinderwunschgedanken sind manchmal obsessiv. Sie beherrschen uns, sind kaum wieder abzustellen. Mit rationalen Erklärungen lässt sich ihnen nicht beikommen.

Achten Sie darauf, ob Sie Ihre Gedanken und Gefühle noch selbst oder mit Hilfe Ihres Partners begrenzen können. Dazu gibt es einige Wege:

  1. Die Maßnahmen aus dem Notfallkoffer funktionieren.
  2. Kalter Entzug: Sie stellen Ihre Internetrecherchen ein und pausieren (angekündigt) im Kinderwunschforum.
  3. Sie begrenzen das Thema in Ihrer Kommunikation als Paar.
  4. Sie legen Zeiten fest, in denen Sie täglich grübeln dürfen, z.B. 3 x 15 Minuten pro Tag. Danach ist Schluss – und Sie wenden sich gezielt einer körperlichen Aktivität zu.
  5. Sie legen eine Pause im Kinderwunschzentrum ein.

Keine Behandlung und keine weiterführende Diagnostik. Letztere hat psychologisch oft die Funktion, nicht nichts zu tun – aber eben auch nicht das Thema einfach mal loszulassen. Weiterführende Diagnostik ist zwar sinnvoll, jedoch psychologisch betrachtet nicht in jeder Phase. Manche Reproduktionsmediziner sagen auch offen, dass sie damit ein Paar bei der Stange halten.

Relative Ruhe finden Sie nur, wenn Sie „clean“ sind von allen Dingen, die Sie emotional triggern – insbesondere Behandlung und Internetrecherche.

Wenn Ihnen diese Verhaltenskontrolle allein nicht gelingt, ist es dringend nötig, sich psychosoziale bzw. psychologische Hilfe zu holen.

 

35. Männer drücken Gefühle eher durch Handlungen aus

Viele Männer sind darin ungeübt, ausführlich über ihre Gefühle zu sprechen. Vielleicht kennen Sie als Frau die Situation, in der Sie lange nach dem geeigneten Moment suchen, um ein schwieriges Thema bei ihm anzusprechen.

„Was machen wir?“, ist eine geeignete Frage, um effektiv mit die nächsten Schritte zu besprechen. Mit dieser Formulierung „eiern“ Sie nicht herum.

Ein wichtiges Beispiel für den unterschiedlichen Umgang mit Gefühlen ist die Nachricht des Misserfolgs einer IVF/ICSI. Männer agieren bei „HCG negativ“ ihre Trauer oft im Sport, in handwerklicher Arbeit, in der PC-Reparatur oder im Beruf aus. Und sind damit beschäftigt, ihre Frau aufzubauen.

Wenn Sie als Frau nicht viel über die Gefühle Ihres Mannes erfahren, spüren Sie in sich nach, wie es ihm geht. Sie kennen ihn gut genug, um kleine Verhaltensvarianten Ihres Partners interpretieren zu können. Rückzug, Reizbarkeit oder Schweigsamkeit können ein Ausdruck dafür sein, wie nah Ihrem Mann das Thema Kinderwunsch geht.

 

36. Männer sind keine Gedankenleser

Männer haben einen ausgeprägten Sensor für die Gefühlslage Ihrer Frau. Sprich: Sie sehen es ihr meist sofort an, wie emotional und akut das Thema unerfüllter Kinderwunsch gerade  ist.

Daraus ziehen Männer jedoch unterschiedliche Schlüsse: aus dem Weg gehen, ablenken, so tun, als ob nichts wäre. Den Bedürfnissen einer Frau Bedürfnissen kommt das kaum entgegen. Je klarer Sie als Frau Ihre Wünsche äußern, umso eher bekommen Sie diese erfüllt. Ihr Wunsch sollte für Ihren Mann zudem „lesbar“ sein: Wenn Sie sich mehr „Verständnis“ wünschen, ist dies unspezifisch formuliert. Überlegen Sie sich also vorher, woran sie erkennen würden, dass Ihr Mann mehr Verständnis für Sie hat. Männer können konkrete Verhaltenswünsche viel besser umsetzen als diffuse Allgemeinplätze.

Wenn Sie zudem die „VW-Regel“ beachten, machen sie es Ihrem Mann und sich selbst noch leichter.

 

37. Bleiben Sie erreichbar für Ihren Mann

Kinderwunschtherapie darf nicht auf Kosten der Partnerschaft gehen. Viele Kinderwunschfrauen neigen dazu, sich irgendwann in sich selbst zurückzuziehen und auf Distanz zu ihrem Partner zu gehen. Im Grunde mögen die Frauen sich in diesen Phasen selbst nicht mehr. Auslöser des Rückzuges sind meist Misserfolge oder negative medizinische Nachrichten in Verbindung mit missglückter Paarkommunikation.

Bildlich gesprochen sitzt die Frau dann allein mit ihrem Problem in einer undurchdringlichen Dunstglocke, während der Mann hilflos draußen steht, abwartet und nicht mehr zu ihr durchkommt.

Ihr Mann kommt zu kurz wenn Sie als Frau nur um den Kinderwunsch kreisen.

Beide Partner müssen in dieser Situation aufeinander zugehen. Als Frau machen Sie wieder „auf“ für Ihren Mann. Und als Mann sind sie erst einmal froh, dass die Phase der Unzugänglichkeit zu Ende ist.

 

38. So steht Ihr Mann hinter Ihnen

Die Paarbeziehung ist die größte Ressource in der Kinderwunschbehandlung. Sie als Frau beziehen Kraft aus Ihrer Partnerschaft.

Schaffen Sie Bedingungen, damit Ihr Mann seine besten Seiten zeigen kann – unterstützend, aufmunternd, mitbetroffen.

Dies tut er, wenn er als Mann von Ihnen wahrgenommen und bestätigt wird. Wenn das Thema Kinderwunsch nicht dauerhaft überbordet – und wenn Sie ihm ihre lebensbejahenden und positiven Seiten zeigen.